Mainzelbahn – neuerliche Kostenexplosion

So mancher Mainzer hatte schon lange den Eindruck, dass die sogenannte „Mainzelbahn“ wohl der Erschließung des Fußball-Stadions dienen sollte. Erste Streckenpläne lassen dies annehmen. Um zu beweisen, dass dem nicht so ist, verzichtete man demonstrativ auf eine Haltestelle am Stadion. Frau Eder hat aber seinerzeit eingelenkt und mitgeteilt, dass noch alles offen sei. Und weil die Stadionbahn für die Zuschüsse zu billig gewesen wäre, mussten weitere Kosten draufgepackt werden. Also Ausbau – bis zum Lerchenberg. Vorsorglich hat man aber gleich zwei Wendeschleifen auf der Strecke eingeplant. So etwas gibt es bei den alten Linien nirgends. Wenn man an die vielen Brücken und die aufwändige Bahnunterführung denkt oder das totale Umkrempeln im Bereich des Zugangs zur Universität bzw. zum alten Krematorium, wundere man sich nicht über die sukzessive zugegebene Sprengung des Kostenrahmens von anfänglich 70 Millionen auf derzeit 90 Millionen mit Luft nach oben. Angeblich völlig überraschend hat man im Untergrund Leitungen gefunden, deren Verlegung jetzt auch an der Kostenexplosion schuld ist. Und keiner hat damit gerechnet, wie teuer die Stützmauer an der Saarstraße wird. Dazu kommt noch als besondere Attraktivität eine kurvenreiche und somit verschleißanfällige Berg- und Talbahn. Ideologie pur zu Lasten des Steuerzahlers. Weil aber die Zuschüsse nicht oder kaum aufgestockt werden, wird es die MVG hart treffen. Man klammert sich an das Anlocken neuer Fahrgastmassen, die bisher den Bus verschmäht oder das Auto bevorzugt haben. Wenn die Fahrgäste zunehmen, ist das erfreulich, aber nicht das Verdienst der „Elektrisch“.

 

Auch ein bewährtes Streckennetz bedarf der Fortschreibung, aber was jetzt geplant ist, erscheint als der Versuch einer Schadensbegrenzung. Auch mag man nicht daran glauben, dass es Fahrten zum Lerchenberg im 7,5-Minuten-Takt geben wird und zusätzlich dicht getaktete Fahrten vom Zollhafen zum Campus. Das würde unter Berücksichtigung der Rückfahrten beider Linien fahrbahngleiche Querungen der Koblenzer Straße fast im Minutentakt bedeuten. Verkehrstechnisch ist das ein weiterer Schildbürgerstreich. Und die ÖKO-Bilanz einer Straßenbahn ist ebenfalls umstritten (Letztlich fährt die Bahn mit Braunkohlestrom mit einem Wirkungsgrad der Primärenergie von weniger als 20% am Motor, also schlechter als ein altes Benzinauto).

 

  1. Ich gehe davon aus, dass die Kostensteigerungen schon in der Planungsphase ungefähr bekannt waren. Man hat dann in kleinen Schritten diese vorhersehbare Entwicklung zugegeben.
  2. Die Kostenverteilung der Investition auf Bund, Land und MVG (also Stadt) wird sich zunehmend auf die Stadt verlagern.
  3. Das Land wird sich nur an den Mehrkosten beteiligen, die (auf der Basis der Landeshaushaltsordnung) unvorhersehbar und unabweisbar sind. Der große Anteil wird also bei der Stadt hängenbleiben.

 

 

Viele Grüße

 

Kurt Mehler

Fraktion FREIE WÄHLER-Gemeinschaft

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